Unter demo.aion-clinical.eu ist die interaktive Demonstrationsplattform von AION Clinical zugänglich. Alle Szenarien arbeiten mit fiktiven, klinisch plausibel konstruierten Daten — sie geben aber einen authentischen Eindruck davon, wie AION formale Modelltheorie in konkrete klinische Entscheidungsunterstützung übersetzt.
Die Plattform besteht aus vier Modulen.
Simulation I — Ein postoperativer Fall in sieben Akten¶
Wenn die Daten sprechen könnten — was würden sie sagen?
Ausgangssituation: ein 71-jähriger Patient nach aortokoronarer Bypass-Operation (CABG). In den Stunden nach dem Eingriff entwickelt sich eine akute Nierenschädigung (AKI). Die Simulation führt durch sieben Akte:
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Ereignistypisierung — Rohdaten (Vitalzeichen, Laborwerte, Medikamente) werden in das formale AION-Ereignismodell überführt. Jedes Ereignis erhält einen Typ (
τ_lab,τ_med,τ_vital), ein Fuzzy-Zeitintervall und einen Konfidenzwert. -
Temporale Struktur — Die Allen-Algebra ordnet Ereignisse: Welche Ereignisse fallen zusammen, welche gehen voran, welche überlappen? Aus Rohdaten wird eine geordnete Ereignischronologie.
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Mustersuche — Das AION-Abfragesystem sucht nach RTP-Mustern (Regular Temporal Patterns): z. B.
Kreatinin-Anstieg > 0,3 mg/dlfollowed-byOligurie < 0,5 ml/kg/hinnerhalb von 6 Stunden — das AKI-Frühwarnsignal nach KDIGO-Leitlinie. -
Korrelation vs. Kausalität — War der ACE-Hemmer ursächlich? Der do-Kalkül nach Pearl ermöglicht kontrafaktische Fragen: P(AKI | do(kein ACE-Hemmer)). Das Ergebnis quantifiziert, ob die Medikation kausal oder nur korreliert war.
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Kontrafaktische Intervention — Was wäre passiert, wenn die Flüssigkeitsgabe 2 Stunden früher begonnen hätte? Der AION-Simulator berechnet die kontrafaktische Trajektorie unter Berücksichtigung der Backdoor-Adjustierung (§ 22.3 AION v1.0).
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Erklärbarkeit (Shapley-Attribution) — Welche Ereignisse trugen wie viel zur Risikoschätzung bei? Die Shapley-Werte (§ 22.4 AION v1.0) weisen jedem Ereignis einen quantifizierten Beitrag zur Vorhersage zu.
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Systemarchitektur — Abschließend zeigt die Simulation, welche der sechs AION-Schichten (Typisierung, Temporal, Kohorte, Kausal, Erklärbarkeit, Interoperabilität) in diesem Fall zusammenspielen.
Simulation II — Sepsis auf der Allgemeinstation¶
Auf einer Station mit zwölf Patienten — welche zwei brauchen jetzt Aufmerksamkeit?
Es ist Donnerstag, 22:00 Uhr, Internistische Allgemeinstation. Zwölf Patienten, drei Pflegekräfte, keine Anwesenheit eines Arztes. Welcher Patient verschlechtert sich gerade?
AION wertet kontinuierlich aus, ob die Sepsis-3-Definition zutrifft: SOFA-Score-Anstieg ≥ 2 Punkte, kombiniert mit Infektionsverdacht. Die Demonstration zeigt:
Temporale Mustererkennung mit dem NFA-Operator¶
Das Sepsis-Muster lässt sich als nichtdeterministischer Automat (NFA) formulieren:
(Fieber > 38°C ODER Hypothermie < 36°C)
BEFORE (Atemfrequenz > 22/min WITH_OVERLAP Laktat > 2 mmol/l)
BEFORE (SOFA-Anstieg ≥ 2 Punkte)
AION evaluiert dieses Muster in O(|π| · n_k) — unabhängig von der Gesamtlänge der Ereignissequenz. Für 12 Patienten mit je einigen Hundert täglichen Messwerten bedeutet das: Neubewertung in Echtzeit bei jeder eingehenden Vitalwertmessung.
SEP-1 Bundle-Compliance¶
Parallel zur Früherkennung prüft AION die Einhaltung des SEP-1-Maßnahmen-Bündels: Blutkulturen vor Antibiotikagabe, Antibiotikum innerhalb einer Stunde, Laktat-Kontrolle. Abweichungen werden zeitlich präzise dokumentiert — für Qualitätssicherung und Haftungsklarheit.
Trajektorienvorhersage¶
Für den wahrscheinlichsten Patienten berechnet AION eine 6-Stunden-Laktat-Trajektorie mit Konfidenzintervall. Die Vorhersage basiert auf dem formalen Verlaufsmodell — nicht auf Black-Box-Regression.
Simulation III — Multicenter-Studie mit Differential Privacy¶
Drei Kliniken, eine Forschungsfrage, keine Datenkopie.
Ausgangslage: Idiopathische Pulmonale Fibrose (IPF), eine seltene Erkrankung. Klinik A, B und C haben jeweils 80–120 Patientenfälle — zu wenige für statistisch robuste Aussagen. Die naheliegende Lösung — Daten zentralisieren — scheitert an DSGVO, Krankenhausverträgen und berechtigten Datenschutzinteressen.
AION löst dies durch föderierte Auswertung mit formalen Datenschutzgarantien:
Disjunkte Patientenpartition¶
Jede Klinik wertet lokal aus. Kein Rohdatum verlässt das Haus. Ausgetauscht werden ausschließlich verrauschte Zählungen.
Laplace-Mechanismus und ε-Differential Privacy¶
Der Laplace-Mechanismus fügt gezieltes Rauschen hinzu:
M(D) = f(D) + Laplace(Δf / ε)
ε ist das Privacy-Budget — ein formaler, quantifizierter Datenschutzparameter. Die Demonstration zeigt interaktiv, wie sich ε auf Genauigkeit und Datenschutz auswirkt.
Das Kompositions-Theorem¶
Entscheidend: Bei disjunkter Patientenpartitionierung addiert sich das Privacy-Budget nicht. Jede Institution bleibt bei ihrem lokalen ε. Das ist kein Versprechen, sondern ein mathematisch bewiesener Satz (§ 20.3 AION v1.0).
Die Simulation lässt ε per Schieberegler einstellen und zeigt live, wie sich Schätzgenauigkeit und Datenschutzgarantie gegenüberstehen — eine Grundlage für informierte Studiendesign-Entscheidungen.
AION DAG-Editor — Klinische Workflows modellieren¶
Der DAG-Editor ist ein browserbasierter Graph-Editor für klinische Behandlungspfade. Workflows werden als gerichtete azyklische Graphen (DAGs) modelliert: Diagnose → Intervention → Bewertung → Entlassung.
Knoten-Typen:
| Typ | Bedeutung |
|---|---|
τ_diag |
Diagnose-Ereignis |
τ_med |
Medikamentengabe |
τ_proc |
Prozedur / Eingriff |
τ_obs |
Beobachtung / Messung |
τ_dec |
Entscheidungsknoten |
Der Editor exportiert den modellierten Workflow als strukturiertes JSON — kompatibel mit der AION-Backend-API. In der Demo ist die API-Anbindung aktiviert und simuliert einen Roundtrip gegen das AION-Production-Backend.
Technischer Hintergrund¶
Alle vier Demonstrationen laufen als statische HTML/JS-Seiten gegen ein gemeinsames AION-Backend. Die Produktionsinfrastruktur (Docker Compose, nginx, PostgreSQL, Keycloak-OIDC) ist identisch mit dem Setup, das in realen Pilotinstallationen eingesetzt wird.
Die Demo-Daten sind klinisch plausibel konstruiert, basierend auf: - Sepsis-3-Definition (Singer et al., 2016) - KDIGO-AKI-Leitlinie 2012 - Surviving Sepsis Campaign (SSC) Bundle SEP-1 - IPF-Therapiestandards (pirfenidon / nintedanib)
Formale Grundlagen: AION v1.0, Zenodo 10.5281/zenodo.19553130
Fragen zur Plattform oder zu einer Pilotinstallation: info@iscad-it.de
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